Sprache & Macht. Heute am Beispiel der häufig so genannten Entwicklungshilfe.

Wordings wie Entwicklungsland & Dritte_Welt setzen voraus, westliche Industrieländer seien der Maßstab gesellschaftlicher Entwicklung. Mhm 🤔 Aber gibt es nicht auch in den westlichen Gesellschaften ein erschreckendes Maß an Unter-Entwicklung? Ich denke da an Menschenstürme, wenn ein neues Einkaufszentrum eröffnet wird oder an die Zerstörung unserer eigenen Umwelt und und und.
Also: Kann man Armut & Entwicklung in einen Topf werfen? Sind ärmere Länder & Menschen wirklich unter-entwickelt? Dieses Framing ist aus 3 Gründen (nur für uns) sehr nützlich.

  1. Wenn die anderen sich erst noch entwickeln müssen, dann sind wir (zwangsläufig) die Entwickelten. Alle westlichen Länder dürfen also erstmal aufatmen, denn sie haben gewonnen ("Erste Welt"). 🍾
  2. Die Noch-Nicht-Entwickelten beglücken wir mit Rat & Tat und etwas Cash: mit sogenannter #Entwicklungshilfe. That feels good. 😇
  3. Mit diesem Feeling als Samariter, können wir dann unseren Schuldkomplex kompensieren, denn häufig waren & sind wir ja für die Armut der anderen mitverantwortlich. 😜

Deshalb macht dieses Wording für uns Sinn. Und für die Armen Länder eben nicht. Wenn wir kommen und ihnen bei Ihrer Entwicklung helfen, dann helfen wir ihnen bereits dabei die Nicht-Entwickelten zu sein. Welcher selbst ernannte Sieger verdrängt sich selbst bitteschön vom ersten Platz? Wir definieren den Maßstab und halten ihn gleichzeitig. Das ist Macht.
Ein Umdenken beginnt mit einem neuen Wording. Alternative Wordings wie Arme_Länder oder Globaler_Süden zielen nicht darauf ab, dass Entwicklung etwas mit Reichtum zu tun hat.

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Sprache & Macht. Heute am Beispiel der häufig so genannten #Entwicklungshilfe. Wordings wie #Entwicklungsland &...

Posted by Eric Wallis on Mittwoch, 20. September 2017

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