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"Finanzskandal" - so rahmen die meisten Medien den Milliarden-Betrug von Wirecard. Aber: Wer bei Wirecard von einen „Skandal“ redet, der unterschlägt den Betrug, den Riesen-, den Milliarden-, den Wahnsinns-Betrug.

Skandal kommt von griechisch - skándalon, im Kirchenlatein scandalum – ein Ärgernis, ein Geschehnis, das Aufsehen erregt. Einen aufsehenerregenden Skandal sollte und versucht man zu vermeiden. Wir finden einen Skandal nicht gut, ja sogar unerhöht, auch wenn manch eine*r doch gerne hinschaut, wenn irgendwo ein Skandal auszumachen ist. Doch mehr als ein wenig Lärm und Raddau, vielleicht noch nicht kofnormes Benehmen vermuten wir nicht hinter einem Skandal.

Framing der Tagesschau

Die Wortwahl "Skandal" fokussiert das Aufsehen-Erregende

Ereignisses. Die Unterschlagung von 1,9 Milliarden Euro durch jahrelang gefälschte Bilanzen sind wirklich unerhört. Genauso wie die ganzen anderen Skandale da draußen, zum Beispiel als bei Janet Jackense die Nipple zu sehen waren (Nipplegate), als ihr ihre Brust aus dem Kostüm hüpfte oder dieser Skandal um den Litertaurkritiker Marcel Reich Ranickis, der eine Wurtrede anlässlich des Ferhsehpreises, den man ihm verleihen wollte, hielt. Wirklich skandalös das alles. Aber passen eine Wutrede, ein bisschen Nacktheit und unterschlagene 1,9 Milliarden Euro in ein und die selbe Kategorie? Ist das wirklich "nur" in Skandal?

Skandale sind eher schrecklich unterhaltsam als ziemlich kriminell

Es geht auch gar nicht darum, dass man den Riesenbetrug von Wirecard nicht mitunter auch als Skandal bezeichnen kann. Aber: Es ist aber ein Problem, wenn quasi die gesamte Medienberichterstattung beim Mega-Wirecard-Betrug nur von einem Wirecard Skandal spricht. Diese schiere Dominanz dieses Skandal Framings ist ein Problem. Denn bei diesem Framing entgeht uns eine wichtige Bedeutungskomponente: Der Betrug. Das Kriminelle. Die Katastrophe. Das wirklich Böse an der Sache.

Unser Worturteil hat gesellschaftliche und rechtliche Auswirkungen

Wie eine Gesellschaft eine Sache benennt, zeigt, wie eine Gesellschaft diese Sache sieht. Das hat am Ende auch eine Auswirkung darauf, wie die Politik eines Landes eine solche Sache beurteilt und darüber entscheidet und es hat ganz am Ende damit auch Auswirkungen darauf, wie Gerichte eine solche Sache schlussendlich ver-urteilen können.

Schlimmerweise erweckt das ganze Geschehen kaum Anstoß. Wird sogar machmal gern als Krimi bezeichnet. Das zeigt, wir – als die Gesellschaft – nehmen das gar nicht richtig ernst, für uns ist es Entertainment. Also doch irgendwo wieder Skandal.

Doch der Betrug, trotz der bislang noch ausstehenden Verurteilung, ist offensichtlich. Lediglich die Verantwortlichkeit muss noch rechtlich geklärt werden. Ich finde wir und auch die Medien sollten es so nennen wie es ist. Es ist ein Multimilliarden Euro Betrug und  kein Finanzskandal.

Wer nun meint, das Skandalhafte an der ganze Sache sei nicht nur der Betrug von Wirecard, sondern auch das umfassende Behördenversagen. Auch dafür hätten wir einen besseren Begriff: „Korruption“.


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Wirecard - Finanzskandal oder Milliardenbetrug?

"Finanzskandal" - so rahmen die meisten Medien den Milliarden-BETRUG von #Wirecard. Warum das so ist und warum das nicht sein darf, zeige ich im Video. Euer Wortgucker 👀 Mehr Sprache in Politik & Medien unter www.wortgucker.de

Gepostet von Wortgucker am Dienstag, 13. Oktober 2020