Heute muss ich mal den Kolleg:innen von Focus Money kräftig auf den Schlips treten. Die Sprache der Macht ist männlich. Immer noch. Wie schlecht unsere Gesellschaft aus dieser Sprache (und aus diesem Bewusstsein) herauskommt, zeigt sich fast alltäglich. Zum Beispiel an vermeintlich innovativen Medienformaten wie der sogenannten Initiative "CHEF für 1 TAG" von Focus Money. Hier dürfen sich Gymnasiast:innen von einer Jury zum "Chef für einen Tag“ eines Partner-Unternehmens wählen lassen. (1)

Im Logo der Initiative wird das "Chef-sein“ durch eine Krawatte symbolisiert.

Die Krawatte gilt als kollektiv anerkanntes Männlichkeits-Accessoire schlechthin (in verschiedenen Kulturkreisen). Die Krawatte ist also das erste und anscheinend einzige Bild, was den Macher:innen der Initiative in den Sinn kommt, wenn es darum geht, das „Chef-sein“ zu symbolisieren.

Da unsere Vorstellung vom „Chef-sein“ historisch gewachsen ist, ist das auch gar nicht verwunderlich. Denn es braucht nicht das übliche Denken, um aus Denkmustern herauszukommen, sondern es braucht dazu einen gedanklichen und daher auch zeitlichen Mehraufwand.

Das Logo der Initiative verrät, dass sich die Macher:innen der Initiative diesen Mehraufwand nicht gemacht haben.
Sie haben einfach nur ein Logo für das „Chef-sein“ entwerfen wollen und das getan, was Generationen vor ihnen taten. Damit festigen sie natürlich das bestehende Bild vom CHEF. Ebenso verraten die Macher:innen über sich selbst, dass sie gar nicht auf dem aktuellen Wissensstand über das Chef-sein sind. Sie haben nicht wirklich daran gedacht, wie sich das „Chef-sein“ in den letzten Jahrzehnten verändert hat. Sie konnten Frauen nicht mitdenken. Damit verrät uns diese Bildsprache ebenso, dass man bei dieser Initiative auch nichts besonders Innovatives über das Chef-sein erfahren wird. Sie waren einfach nicht „Herr ihrer Sache“.

1: https://chef1tag.de/


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Gepostet von Wortgucker am Freitag, 8. Januar 2021