Vergewaltigung ist kein Sex-Skandal lautet der Titel einer starken Sprachkritik im Tagesspiegel:

Es ist eine Schande, wenn im Fall (...) Weinstein alle von einem "Sexskandal" reden. So werden sexuelle Gewalt und Unterdrückung sprachlich verharmlost. (...) Machtmissbrauch, Nötigung, sexuelle Belästigung, Vergewaltigung; die Liste der Vorwürfe gegen Weinstein ist lang, und mit Sex hat das alles nichts zu tun.[1]

Der Artikel kommentiert indes nur einen Teil des Framings, nämlich wie Gewalt als Sex dargestellt wird, also wie anstelle des unangenehmen Gewalt-Frames, der Sex-Frame angeschaltet wird. Im Sex-Frame ist der Täter weniger Täter und das Opfer weniger Opfer.
Auf unterschwelliger Ebene wirkt jedoch ein weiteres Framing, ausgelöst durch das Wording Skandal.
Wie eine zweite Schicht, verdeckt auch das Wort 'Skandal' den Gewalt-Frame.
Skandale machen Unangenehmes öffentlich. Auch hier wird aus der Definitionsmacht des Täters heraus formuliert. Denn der Skandal macht publik, was dem Täter unangenehm ist. Das heißt umgekehrt: Wäre es nicht öffentlich geworden, wäre es kein Skandal gewesen.
Oder anders: Skandalös ist dieser "Sex" nur aus Sicht des Täters, eben weil es öffentlich wird. Aus Sicht des Opfers ist es eine Gewalttat.

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#Vergewaltigung ist kein Sex-Skandal. Starke Sprachkritik im Tagesspiegel Zitat: "Es ist eine Schande, wenn im Fall...

Posted by Eric Wallis on Mittwoch, 18. Oktober 2017

PS
Skandalöses Wording gibt es beim 👀wortgucker.
Folgt 👇 ihm & guckt, wie die Sprache uns steuert.
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  1. Sabrina Markutzyk, http://www.tagesspiegel.de/…/hollywood-produz…/20468434.html ↩︎