Heute: AfD-Framing. Der Begriff Deutscher Schuldkult ist nicht nur der bedauernswerte Sprachgebrauch von Rechtsextremen, sondern es ist ein mächtiges Reframing, dem populäre AfDler zu neuen Reichweiten verhelfen. Warum?

Das Reframing besteht in der Auswechselung von Erinnerung durch Schuld. Das Problem: Es beruht auf dem Fehlschluss, dass wenn Deutschland an zwei Weltkriegen schuld ist, seien auch heute lebende Deutsche schuldig. Das denken zumindest manche Deutschen & da Schuld ein doofes Gefühl, versuchen sie diese abzuwehren. Der Schuldkult leistet diese Abwehr, denn er deutet „Schuld“ um, als irrational, nämlich als Kult. Ist diese Schuld irrational, dann ist sie unnötig (Reframing).

Mhm. 🤔 Das Paradox an der Sache ist, der Schuldkult, wird nur zu einem treffenden Argument für jemanden, der oder die sich tatsächlich schuldig fühlt, denn nur dann verspricht dieses Framing Linderung. Höcke & Co fühlen fühlen sich dadurch, dass Deutschland an zwei Weltkriegen Schuld war, tatsächlich persönlich mitschuldig. Wer sich mitschuldig fühlt, hat sich zu stark mit dem Konstrukt der „Nationalität“ identifiziert.

Oder – man kann das auch umdrehen - sie fühlen sich so mitschuldig, dass ihnen zur Abwehr dieser Schuld gar nichts anderes übrig bleibt, als sich als Nationalisten zu fühlen.
Dieser Umkehrschluss bietet einen praktischen Hinweis für die neueste Polit-Floskel diese Menschen wollen wir zurückgewinnen.
Will man solche Leute umstimmen, dann sollte man sie, wie ein guter Psychiater, erstmal einmal bei ihrem Gefühl abholen. Die Leute fühlen sich nur einfach Kacke, weil Schuld eben ein Kack-Gefühl ist. Das miese Gefühl hat aber nichts mit ihnen zu tun, sondern mit den Dingen, die andere Deutsche vor längerer Zeit verbrochen haben.

Und damit diese schlimmen Sachen (zumindest von Deutschland aus) nicht noch einmal passieren, ist es gut sich aktiv (in Deutschland) an sie zu erinnern. Darum Erinnerungskultur.

PS
Smart. 🤓 Die Erzähler der Schuldkult-Story holen die Menschen bei ihrem miesen Gefühl ab, indem sie dieses verstärken & nicht, indem sie es aus der Welt räumen. Sie instrumentalisieren Menschen, die sich tatsächlich schuldig fühlen: Erst erschaffen sie die "schuldigen Deutschen", die dieses Gefühl dann gemeinsam abwehren müssen (Fehlschluss). Dann präsentieren sie sich diesen Menschen als jene, die ihnen bei der Abwehr helfen.

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Heute: AfD-Framing. Der Begriff "Deutscher Schuldkult" ist nicht nur der bedauernswerte Sprachgebrauch von...

Posted by Eric Wallis on Freitag, 6. Oktober 2017

PPS
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