Das Wort "Verschwörungstheoretiker"  ist nicht nur ziemlich ungenau. Es ist beschönigend. Warum eigentlich? In der Grundschule haben wir gelernt: Zusammengesetzte Substantive bestehen aus einem Grundwort und einem Bestimmungswort. Das Bestimmungswort steht am Anfang und es bestimmt – wie der Name schon sagt - das Grundwort, näher.

Ein "Verschwörungstheoretiker" soll nun jemand sein, der an unsinnige Verschwörungen glaubt. Also ist das Grundwort bereits grob falsch. Denn es gibt niemanden mit einer Theorie, sondern nur jemanden, der „glaubt“. Einen Gläubigen, einen Mystiker, im besten Fall noch einen Ideologen.
Sicher, ein „Theoretiker“ ist im Alltagssprachgebrauch mithin jemand, der von der Praxis keine Ahnung hat, aber er ist - im besten Wörterbuchdeutsch - vor allem „jemand, besonders ein Wissenschaftler, der die theoretischen Grundlagen für etwas erarbeitet, der sich mit der Theorie eines [Fach]gebietes auseinandersetzt“. [1]

Schauen wir nun auf das Bestimmungswort, dann dürfen wir eines nicht vergessen: Verschwörungen sind NICHT per se Lügen. Eine Verschwörung ist lediglich die "gemeinsame Planung einer Unternehmung, die gegen jemanden oder etwas (besonders gegen die staatliche Ordnung) gerichtet ist.[2] Verschwörungen können sich potenziell im Nachhinein bewahrheiten und in der Geschichte gab es nachweislich so manche Verschwörung.

Der Begriff „Verschwörungstheoretiker“ ist ein super Framing für alle diejenigen, die an unsinnige Verschwörungen glauben, weil er sie in ein wissenschaftliches Licht rückt. Das ist das Narrativ des "Verschwörungsideologen". Er möchte, dass die Leute denken, er sammele nur Beweise für die Verschwörung

1 https://www.duden.de/rechtschreibung/Theoretiker
2 https://www.duden.de/rechtschreibung/Verschwoerung


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Gepostet von Wortgucker am Mittwoch, 7. Oktober 2020